Wissenswertes zu Automatikuhren und zu Uhrenbewegern

Automatikuhren

Was ist ein Uhrenbeweger?

Ein Uhrenbeweger (Uhrendreher) ist ein Gerät, das Automatik-Uhren rotiert. Durch einen Uhrenbeweger wird sichergestellt, dass die Automatikuhren-Leistung auch bei Nichtgebrauch erhalten bleibt. Uhrenbeweger eignen sich auch zur Aufbewahrung und Präsentation von Automatikuhren, sofern die Uhrenbeweger dazu harmonieren.

Geschichte der Uhrenbeweger & Automatikuhren

Die Geschichte der Uhrenbeweger und Automatikuhren ist sehr umfangreich und faszinierend. Wir wollen hier einige interessante Abschnitte hervorheben, welche die Faszination dieses Produkts unterstreichen.

Die erste Automatikuhr wurde im Jahr 1776 von Abram Louys Perrelet in Le Locle Schweiz hergestellt. Dokumente aus dieser Zeit weisen darauf hin, das Perrelet womöglich bereits einige Jahre vorher, schätzungsweise bereits 1770 die Automatikuhr erfunden hat. Er gilt heute als Vorreiter und Pionier der Haute Horlogerie. Seine Ideen und Konzepte wurden über die Zeit, auf Basis der Tradition und der damaligen Weltanschauung, vom Haus Perellet durch avantgardistischen Konzepte erweitert und sind bis zum heutigen Tage für die hohe Präzision und die technische Sorgfalt bekannt.

Uhrenbeweger sind eine relativ moderne Entwicklung. Im Massenmarkt angekommen sind diese Geräte im Jahr 1993 als speziell entwickeltes Zubehör für ausgewählte High-End Uhren. Sie wurden zunächst vor allem zu Präsentationszwecken und Dreingaben bei 50’000 Euro Plus Automatikuhren-Modellen verwendet. Sobald ein Uhrenbeweger defekt war, kostete der Ersatz stolze 2’500 Euro. Heutzutage hat sich der Markt deutlich zur Massenproduktion entwickelt. Es sind bereits Uhrenbeweger für weniger als 50 Euro erhältlich, die in Funktion und Optik gegenüber den High-End Modellen nur kleine Abstriche zu verzeichnen haben.

Der Hauptgrund für die Entwicklung des Uhrenbewegers hin zum Massenprodukt ist die steigende Zahl an Automatikuhren, die im Besitz eines limitierten, aber sehr kauffreudigen Segments sind. Da Liebhaber meist deutlich mehr Automatikuhren kaufen, als sie in ein paar Tagen tragen können, ist die Nachfrage nach Uhrenbewegern gestiegen. Insbesondere die Nutzung zum Aufziehen & Betriebsbereithalten der Mechanik-Uhren wird von Uhren-Liebhaber sehr geschätzt. Nicht zu unterschätzen ist natürlich auch das Erscheinungsbild einer faszinierenden Automatikuhr in einem ebenso mechanisch faszinierenden Uhrenbeweger.

Funktionsweise von Uhrenbeweger

Jedes Uhrendreher-Modell unterscheidet sich von einem anderen Modell. Die Modelle haben jedoch auch Gemeinsamkeiten, auf die wir im folgenden Abschnitt eingehen.

Uhrenbeweger unterscheiden sich zwar in der Form, Kapazität, Stil und dem Preis voneinander. Sie haben trotz dieser Unterschiede jedoch auch gemeinsame Elemente. Jeder Uhrenbeweger hat eine Halterung, an welcher Uhren befestigt werden können. Konstruktionsbedingt, beinahe ohne Ausnahme, müssen Automatikuhren um die Normal-Achse der Krone rotiert werden. Die Position der Uhrenhalterung muss hierbei lotrecht zur Erdanziehung sein. Dadurch wird die Reibung im Innern der Uhr minimiert und das bestmögliche Ergebnis erreicht. Wichtig sind auch die Geschwindigkeit, die Richtung eines Uhrenbewegers sowie die Ruhezeit.

Die Geschwindigkeit ist eine wichtige Komponente, da eine zu hohe Geschwindigkeit eine überproportionale Belastung der mechanischen Uhr zur Folge hätte. Die Richtung ist ebenfalls sehr wichtig, da die mechanischen Uhren die Energie nur in einer bestimmten Rotationsrichtung aufnehmen.

Die Ruhezeiten sind wichtig, um eine Überbelastung und ein Überstrapazieren der komplexen Mechanik zu verhindern. Uhrenbeweger werden meist über ein Netzkabel und einen AC/DC Netzteil mit Energie versorgt. Magnetische Quellen sind sowohl von den Uhren als auch von den Uhrenbewegern fernzuhalten. Energieübertragung durch Induktion ist also keine Option.

Dieses coole Feature ist bei Uhrenbewegern – im Gegensatz zu Smartphones – nicht praktikabel.

Uhrenbeweger – Optimale Handhabung und häufige Fehler bei der Nutzung dieser Geräte

Uhrenbeweger sind komplexe Geräte, so komplex wie diese Geräte sind auch die Automatikuhren, die man damit aufziehen kann. Bei unsachgemäßem Umgang oder Unwissen über das Zusammenspiel dieser Geräte, können diverse kleinere Probleme auftreten, die im Folgenden eingehend beschrieben werden und denen man sich bewusst sein sollte.

Mögliche unerwünschte Vorkommnisse bei der Nutzung von Uhrenbeweger

Vorkommnisse, die manchmal bei der Nutzung von Uhrenbewegen auftreten, sind die folgenden:

  • Manche Automatikuhren laufen auf einem Uhrenbeweger plötzlich einige Minuten schneller und dies bereits nach wenigen Stunden auf dem Uhrenbeweger. Bei normaler
  • Alltagsverwendung laufen die Uhren jedoch ziemlich präzise mit lediglich minimalen Taktabweichungen pro Tag (im kleinen einstelligen Sekundenbereich).
  • Uhrenbeweger, die nach kurzer Zeit auf dem Uhrenbeweger stoppen oder kurz nach dem Entfernen aus dem Uhrenbeweger.
  • Uhren, die messbar schneller oder langsamer auf einem Uhrenbeweger laufen als am Handgelenk oder auf der Kommode.

Solche Ereignisse können unerwartet und zufällig auftreten oder als Folge der Interaktion mit einem Uhrenbeweger. Die meisten dieser Ereignisse können aber ganz einfach vermieden werden, indem man die Anleitung des Uhrenbewegers und der Automatikuhr studiert und den Uhrenbeweger gemäß der beschriebenen Anwendungsinformation nutzt. In seltenen Fällen ist das Zusammenspiel von Automatikuhren und Uhrenbeweger jedoch sehr anspruchsvoll.

Mögliche Faktoren, die Einfluss auf die Interaktion haben, werden im Folgenden beschrieben:
Man muss sich im Klaren sein, dass die Bewegung eines Uhrenbewegers tendenziell stärker ist als die Alltagsbewegung, die bei einem bewegungsarmen Tagesablauf anfällt. Die folgenden

Faktoren sind ebenfalls zu berücksichtigen:

  •  Je schneller der Bewegungsmodus des Uhrenbewegers,
  •  je leichter die Automatikuhr und
  •  je länger die Zeit auf dem Uhrenbeweger dauert,

desto eher wird eine Automatikuhr zu stark aufgezogen, wodurch die Automatikuhr dann letztlich zu schnell laufen könnte.

Typischerweise wird in der Bedienungsanleitung von Automatikuhren eine ideale Umdrehungszahl zwischen 500 und 700 Rotationen pro Tag angegeben. Bei Uhrenbeweger wird jedoch häufig eine Umdrehung von 720 Rotationen pro Tag als bevorzugtes Programm gewählt. Diese 20 Extra Rotationen sollen kompensieren, dass die Uhr außerhalb des Uhrenbewegers häufig an Spannung der Triebfeder verliert, da die natürlichen Bewegungen oftmals nicht ausreichen, um die Triebfeder auf dem empfohlenen Niveau gespannt zu halten.

Manche professionellen Uhrenbeweger von Uhrmachern schaffen es sogar, eine Automatikuhr innert 30 min. auf das maximale Energielevel zu bringen, durch eine hohe Anzahl an Rotationen pro Minute. Andere Uhrenbeweger kommen gerade so auf 720 Rotationen pro Tag und erreichen damit ein häufig empfohlenes Rotationsvolumen.

Somit sollte klar sein, dass je nach Zustand der Spannung der Triebfeder im Innern der Automatikuhr eine gewisse Anzahl an Rotationen zu empfehlen ist und selbst eine kurze Zeit auf dem Uhrenbeweger ausreichend sein kann, bei entsprechendem Programm. Professionelle Uhrenbeweger würden herkömmliche Uhren schnell an die Belastungsgrenze bringen und sind daher nur von Profis zu verwenden, die auch verstehen was sie tun.

Ursachen der beschriebenen Vorkommnisse

Die Ursachen der Probleme können vielfältiger Natur sein. Im Folgenden werden die häufigsten Ursachen beschrieben und es wird aufgezeigt, was die mögliche Lösungen sind.

Eine Ursache für zu wenig Rotationsleistung – also das gegenteilige Problem – ist bei batteriebetriebenen Uhrenbewegern der Umstand, dass sich Batterien mit der Zeit entleeren und die Leistung des Uhrenbewegers gegen Ende der Batterielaufzeit markant zurückgehen kann und dadurch die Automatikuhr täglich einige Sekunden zu langsam laufen könnte. Dies kann auch bei einem ungünstig platzierten Uhrenbeweger geschehen, da die Triebfeder von Automatikuhren bei stark geneigten Uhrenbewegern deutlich mehr Rotationen bräuchte, um die gleiche Spannung zu erreichen, unter sonst gleichen Funktionsumständen.

Die Ursache für das Stehenbleiben von Automatikuhren, kurz nach dem Platzieren auf dem Uhrenbeweger oder nach der Entnahme ist häufig aufgrund einer falschen Rotationsrichtungs-Einstellung. Des Weiteren kommt auch eine schlechte Fixierung auf dem Uhrenbeweger, eine unsachgemäße Einstellung des Rotationsprogramms oder eine falsche Handhabung / Position des Uhrenbewegers in Frage. Sollte alles nach Anleitung gemacht worden sein, kann ein anderer Uhrenbeweger getestet werden oder die Uhr notfalls zur Revision geschickt werden, damit die nicht-triviale Ursache eruiert werden kann. Uhrenbeweger können auch mit alternierenden Programmen verwendet werden, falls die Rotationsrichtung nicht bekannt ist.

Es ist allgemein anzuraten, den Uhrenbeweger mit weniger Leistung zu betreiben, um die Automatikuhr zu schonen. Sollte die Automatikuhr deutlich zu langsam laufen, kann eine Erhöhung er Intensität ausprobiert werden, jedoch immer nur maximal bis zur empfohlenen Rotationsgeschwindigkeit und Dauer gemäß Handbuch. Auskunft geben sonst auch die Hersteller, die man in den meisten Fällen auch unkompliziert kontaktieren kann.

Zusammenfassung

Je nach Uhrenbeweger-Leistung kann eine Automatikuhr stärker oder schwächer aufgeladen werden. Bei Uhrenbewegern ist sicherzustellen, dass die Rotationsintensität (Geschwindigkeit und Dauer) die Mechanik der Automatikuhr nicht zu sehr belastet, da Automatikuhren unter Überbeanspruchung sich auch schneller Abnutzen könnten, was dann teure Reparaturen zur Folge haben kann. Falsche oder suboptimale Rotationsrichtungen führen bei Automatikuhren zu schlechten oder gar keinen Ergebnissen und können im schlimmsten Fall gepaart mit zu starker Intensität sogar die Mechanik der Automatikuhr schädigen, weshalb dies unbedingt zu vermeiden ist. Bei Unkenntnis kann auch der alternierende Modus verwendet werden. Optimal ist dieser aber nicht.


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